Von Einem, der auszog… – Florian Eberhorn

Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Von einem der auszog... - Florian Eberhorn | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir das ein Text mit einem (angehenden) Mörder als Hauptperson Leser fesseln kann, wenn die Hauptfigur passt.

Der Anfang der Geschichte: Ein junger Mann entschließt sich, jemanden zu ermorden. In einem zukünftigen Handlungsstrang, nach der Tat, taucht eine undurchsichtige Frau auf. Was will sie von dem Mörder?

Kurze Zwischenbemerkung: Als ich das Buch aufschlug und das Vorwort sah, stöhnte ich innerlich auf. Vorworte sind selten gut. Doch dieses war so herrlich witzig und überdreht, dass ich das Lesen genossen habe. Ich musste sogar zweimal stehen bleiben, weil ich vor Lachen nicht mehr konnte. Ich sage so etwas selten, aber dieses Vorwort ist gelungen.

Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: Elfmal (11 x) UND auf der ersten Seite!!

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Analyse: Auf der ersten Seite (Kindle-Schriftgrad mittel) habe ich sage und schreibe 11 mal das Wort „und“ gezählt. Ja, ich weiß, dass es als Stilmittel gewählt wurde, um die Hauptperson zu charakterisieren. Aber das war selbst mir etwas zu viel des Guten. Hier wäre weniger mehr gewesen. Hätte ich jedes „und“ als eigenen Stolperstein gewertet wäre hier bereits Schluss gewesen, und das wäre schade. Denn die Geschichte ist flott geschrieben und amüsant.

Stolperstein #2: Wechsel der Erzählzeit

Die Entscheidung kam wie aus dem Nichts. Erst war Nichts, dann war sie da.

Analyse: Die Geschichte wird im Präsens, als in der Gegenwart erzählt. Dann aber folgt obiger Satz, nach dem es im Präsens weitergeht. Grammatikalisch liegt da ein Fehler vor, über den ich einige Zeit nachdenken musste. Dadurch war ich aus dem Lesefluss gerissen, und das bedeutet: „Stolperstein“.

Da in jenen beiden Sätzen die Vergangenheit (der Erzähl-Gegenwart) angesprochen wird, müssen andere (Satz-)Zeiten gewählt werden. Ich habe nachgeguckt. Für den ersten Satz brauchen wir imho die vollendete Gegenwart (Perfekt = ist … gekommen). Mit dem Perfekt drücken wir aus, dass eine Handlung in der Vergangenheit abgeschlossen wurde, dabei aber das Ergebnis oder die Folge der Handlung bis in die Gegenwart (Erzählzeit) reicht.

Hat die Textaussage keinen Bezug zur gegenwärtigen Erzählzeit, kann man das Präteritum  benutzen (das genauso gebildet wird, wie die einfache Vergangenheit).

Die obigen Sätze müssten meiner Meinung nach wie folgt lauten: “Die Entscheidung ist wie aus dem Nichts gekommen. Erst war Nichts, nun ist sie da.”

Stolperstein #3: Warum steht da eine Ellipse?

Aber ich denke, so bin ich … eben.

Analyse: Die drei Punkte nennt man Ellipse (Altgriechisch für „Fehlen“, „Aussparung“, „Auslassung“). Man nutzt sie für ausgelassene Satzteile. Da frage ich mich natürlich, welcher Teil in diesem Satz ausgelassen wurde. Eine nähere Erläuterung des Erzählers (à la „Schweinehund“) vielleicht? 😀

Kudo #1: Witzig!

Analyse: Es ist sauschwer, witzig zu schreiben. In kurzen Texten geht dies meisten wesentlich leichter als in einem Roman. Daher war ich positiv überrascht, dass es dem Autor dieser Geschichte gelungen ist, über den allergrößten Teil meiner Lesezeit den locker flockigen, ungewollt lustigen Tonfall der Hauptfigur durchzuhalten. Dies ist ein Buch, dass ich in Ruhe über Weihnachten zuende lesen werde.

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