Rauklands Sohn – Jordis Lank

Rauklands Sohn - Jordis Lank | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir mich grummelig, weil das Buch so unglaublich spannend ist, dass mich die Stolpersteine nicht daran hindern werden, es zu Ende zu lesen. Was mal wieder zeigt, dass man als Leser Kleinigkeiten verzeiht, wenn die Spannung stimmt. Um so mehr ärgert es mich, dass ich nicht bis 40 Minuten gekommen bin.

Der Anfang der Geschichte: Prinz Ronan hat die Schlacht verschlafen. Dadurch haben Rauklands Feinde gesiegt. Sein Vater bestraft ihn so hart, dass er daran beinahe stirbt.

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Stolperstein #1: falsches Wort

Ein ganzes Dutzend (Männer) kam herbeigelaufen, um ihn an einem Fichtenstamm zu zerren.

Analyse: das Bild, das ich bei dieser Formulierung in den Kopf bekam, war das eines jungen Mannes, der an einen Fichtenstamm gefesselt über den Boden geschleift wurde. Aber im nächsten Satz wurde gesagt, dass eben dieser Stamm senkrecht im Boden steckte. Somit ergab das Bild in meinem Kopf keinen Sinn. Ich musste nur kurz überlegen, dann wusste ich, was nicht stimmte. Es muss heißen: um ihn an einen Fichtenstamm zu zerren. Da sieht man, wie wichtig es ist, immer genau das richtige Wort zu finden.

Stolperstein #2: falscher Ort

Analyse: Ronan ist auf Lannoch angekommen, um König Merin nach den Aufgaben zu fragen, die er bestehen muss, damit ihn sein Vater nicht noch schlimmer bestraft (Ende Kapitel drei). Mitten in dieser Szene (Anfang Kapitel 4) folgt eine fast zweiseitige, wunderbar formulierte Beschreibung der Insel aus Sicht ihres Königs … eine echte Liebeserklärung an das Land. An jeder anderen Stelle hätte ich sie genießen können, aber hier wirkte sie fehl am Platze, oder so als fehle etwas.

Der König ist geschockt, was am Ende des 3. Kapitels sehr gut dargestellt wurde. Ich verstehe, dass er sich erst sammeln muss, bevor er dem Eindringling, Ronan, antworten kann. Dann sollte die Beschreibung aber imho diese Angst widerspiegeln. Stattdessen ist sie voll Ruhe und Kraft. Das passte nicht. Vielleicht wäre es besser gewesen, diese Beschreibung an eine andere Stelle zu verschieben.

Stolperstein #3: fehlender Absatz

(Merin spricht zuerst. Außer ihm und einem schweigenden Kind, ist niemand da, der sprechen könnte)
„Wie bitte?“, keuchte Ronan. „Wozu das?“
„Ihr braucht einen Freund, um eure Aufgaben zu bewältigen.“
„Es sind mehrere?“ Merin nickte.

Analyse: Wenn kein „sagte“ oder „fragte“ an der wörtlichen Rede steht, gehen Leser immer davon aus, dass die Person, die im folgenden Satz steht, die Worte gesprochen hat. Als mir also klar wurde, dass Ronan in der letzten Zeile gesprochen hatte, nicht Merin, war der Spannungsfaden erneut gerissen. Wirklich schade, denn dieses Buch hätte es verdient, die volle Zeit zu erreichen.

Kudo #1: Spannung trotz der Holperer

Analyse: Diesem Buch gelingt es, den Leser in eine Welt zu stoßen, ohne Rücksicht auf fehlendes Vorwissen. Alles, was zum Verständnis benötigt wird, wird zeitnah und ohne Infodumps geliefert. Kunstvoll überlässt es die Autorin dem Leser, diese faszinierende Welt selbst zu entdecken. Sie wird vor den Augen des Lesers lebendig. Das ist großartiges Kopfkino.

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