Rabenfeuer – Dana Graham

Rabenfeuer - Dana Graham | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir mich ratlos, denn gestolpert bin ich nicht. Trotzdem hat mich der Anfang nicht gerade vom Hocker gehauen.

Der Anfang der Geschichte: Ein Junge wird mit einer einseitigen Lähmung geboren. Sein Vater verstößt ihn, weil er nicht glauben kann, dass ein Krüppel die geheimnisvolle Prophezeiung erfüllen kann. Dann wächst das Knäblein heran…

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Kudo #1: eine Hauptperson mit besonderen Bedürfnissen

Analyse: Es ist extrem selten, dass die Figuren eines Romans körperliche oder geistige Makel aufweisen. Die meisten AutoInnen schreiben nicht über Menschen mit besonderen Bedürfnissen (sogenannte Behinderte). Daher ist es um so lobenswerter, dass sich Dana Graham traut, einen körperlich angeschlagenen Helden als Hauptperson in den Mittelpunkt zu stellen.
 

Stolpersteine #1 bis #3: sind keine Stolpersteine sondern ein anhaltendes Unbehagen

Analyse: Obwohl das Buch mit einem unglaublichen Konflikt beginnt, verpufft die Spannung fast sofort. Was folgt ist die mäßig spannende Zeit, in der die Hauptfigur aufwächst und sich verschiedene Feinde macht. Es gab nichts, was ich eindeutig als nicht spannend hätte benennen können. Die lokalen Konflikte treiben die Geschichte klar voran (wenn auch etwas sehr vorhersehbar). Warum also kommt mir der Anfang so langweilig vor (die Spannung wird im Laufe der Geschichte besser)? Ich habe fast die ganze Woche darüber nachgegrübelt, bin aber zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Liegt es daran, dass ich mich in die Figuren nicht einfühlen kann, oder dass die Motivation einzelner Figuren manchmal nicht stimmt? Das ist sicher Teil des Problems. Zum Beispiel handelt die Hauptfigur im Laufe der Geschichte immer wieder impulsiv, obwohl sie als ruhig und bedächtig beschrieben wird. Aber das allein ist es sicher nicht, denn ich habe schon Bücher mit wesentlich schlechter motivierten Helden gelesen und als spannend empfunden.

Gibt es nicht genug Konflikte? Das muss ich verneinen. Vor dem jungen Mann türmt sich ein Berg von Problemen auf, die sich zum größten Teil aus seiner Situation ergeben. Das ist eigentlich rundum gelungen.

Nach langem Hin und Her glaube ich, dass das Problem in der mangelnden emotionalen Reaktion der Figuren liegt. Die Gefühlswelt der Hauptfiguren bleibt, bis auf die Liebesgeschichte, im ganzen Buch unklar. Selbst das für den jungen Mann angeblich so wichtige Ziel, Krieger zu werden, findet nur Erwähnung in Nebensätzen oder als fadenscheinige Begründung für merkwürdige Entscheidungen. Ich glaube, dass tiefer ausgearbeitete Gefühle das Quentchen Spannung gebracht hätten, das ich vermisst habe (wie gesagt, das gilt nur für den Anfang. Der Rest des Buches ist wesentlich spannender). Vielleicht ist es aber auch nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Denn die Geschichte hat mir insgesamt viel Spaß gemacht. Ihr fehlte nur am Anfang die rechte Würze.

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