MondSilberLicht – Marah Woolf

Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

MondSilberLicht - Marah Woolf | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, wie sehr Spannung von Gefühlen abhängt. Wenn es nicht gelingt, dem Leser die Gefühle glaubhaft vor Augen zu führen, stirbt die Spannung bereits auf der ersten Seite, und ansonsten unwichtige Kleinigkeiten z.B. bei der Formatierung werden plötzlich überproportional stark wahrgenommen.

Der Anfang der Geschichte: Emma verliert ihre Mutter durch einen Autounfall, muss nach Schottland zu ihrem Onkel ziehen, und lernt bei einer Rettungsaktion für Wale den geheimnisvollen Calum kennen.

Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: widersprüchliche Formulierungen

Analyse: Gleich im ersten Kapitel, aber auch später, bin ich immer wieder über Widersprüche gestolpert, die ich hier in einem Punkt zusammenfasse. Wenn die Hauptfigur in einem Absatz den Geräuschen aus dem Wohnzimmer lauscht, die dann in einer Liste aufgeführt werden, kann im nächsten Absatz nicht absolute Stille herrschen (später gibt es eine Stelle, wo die Hauptfigur auf Ehrenwort verspricht etwas Gefährliches nicht zu tun, nur um es ein paar Seiten weiter doch zu tun). Fehler wie diese führen dazu, dass ich, aus dem Lesefluss gerissen, zurückblättere, um nachzusehen, ob ich mich verlesen hatte. Das ist ein Stolperstein.

Stolperstein #2: fehlende Logik

Analyse: Die Hauptfigur bemerkt, dass etwas nicht stimmt und steht auf, um nachzusehen, was ihre Mutter im Wohnzimmer so macht. Die Mutter ist nicht da, also regt sich die Hauptfigur etwas auf und … geht ins Bett zurück. DAS GEHT NICHT! Da stimmt der emotionale Zusammenhang überhaupt nicht.

Stolperstein #3: unsaubere Formatierungen und Rechtschreibfehler

Analyse: Immer wieder bin ich über unsaubere Formatierungen und fehlende Kommas gestolpert. Als mir dann auch noch eine Elipse (das sind diese drei Punkte, die für Auslassungen stehen) allein auf einer Zeile aufgefallen ist, war ich bald mehr darauf fixiert, die Fehler zu finden, als der Geschichte zu folgen. Ein schlechtes Zeichen. Endgültig ausgestiegen bin ich dann an folgender Textstelle (vorher ging es um die Familie der Freundin der Hauptfigur und warum sie dort nicht bleiben kann):

Eine Woche nach Moms Beerdigung kam sein Brief …

Interessant ist, das vor diesem Satz nur von weiblichen Personen die Rede war. Ein Satz später wird dann das Geheimnis gelüftet. Das „sein“ bezieht sich auf den Onkel, der sie nach Schottland einlädt. Warum also schreibt die Autorin nicht: Eine Woche nach Moms Beerdigung kam ein Brief meines Onkels …?

Der Hautfehler dieses Buchanfangs konnte nicht mit einem Stolperstein behandelt werden, weil er sich konstant durch den ganzen Anfang (und vermutlich durchs ganze Buch) zieht. Die Hauptfigur erzählt in der Ich-Perspektive. Dies ist die Form einer Geschichte, in der man als LeserIn am weitesten in eine Figur schlüpfen kann. Man kann ihre Gefühle und Gedanken hautnah miterleben. Schade nur, dass in dieser Geschichte gar keine Gefühle vorkommen. Mit der Mutter stimmt was nicht? OK, ich geh ins Bett. Die Mutter hatte einen Autounfall? Auch gut, wohne ich eben bei meiner Freundin, solange es möglich ist. Ich muss nach Schottland, obwohl ich nicht will? Kein Problem, ich pack schon mal meine Sachen. ÖDE!

Kudo #1: Kapiteltitel

Analyse: Die Titel der einzelnen Kapitel sind rechtsbündig mit vorangestellter Grafik programmiert. Das sieht wunderschön aus. Ich will unbedingt wissen, wie das gemacht wurde, also muss ich mir wohl doch eine ePub Ausgabe des Buches besorgen, obwohl es mir nicht gut genug gefallen hat, dass ich es zu Ende lesen will. Die Hauptfigur ist mir zu unsympathisch und lässt mich zu wenig an ihren Gefühlen teilhaben.

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