In die Finsternis – Scott McLeary

Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

In die Finsternis - Scott McLeary | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, wie wichtig in Science Fiction die Wissenschaft ist, selbst bei nebensächlichen Details. In diesem Genre wird immer irgendein/e LeserIn über ungenaue Kleinigkeiten stolpern.

Der Anfang der Geschichte: Ein Asteroid saust auf einen erdähnlichen Planeten zu, doch die Raumschiffe, die ihn abfangen sollen, zerstören sich gegenseitig, so dass die Zivilisation, die sie schützen sollen, vernichtet wird.
Frankreich, erster Weltkrieg: eine Spezialeinheit der Franzosen wird in geheimer Mission ausgeschickt, während sich eine Gruppe Deutscher nicht weit von Verdun 90m tief in die Erde buddelt und versucht, nicht zwischen die Fronten zu geraten.

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Stolperstein #1: Infodump

Zitat: Damals hatte man das Jahr 1914 geschrieben. Aber der Krieg war weitergegangen, und heute, im August 1916 hatte er seinen blutigen Höhepunkt erreicht. Die Schlacht um die Festung von Verdun war in vollem Gange. Tagtäglich starben sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite unzählige Soldaten bei dem Versuch, ein paar Meter Boden zu gewinnen. Sie kämpften einen wahnsinnigen Stellungskrieg, bei dem es nur Verlierer geben konnte.

Analyse: Dieser Textabschnitt ist ein Infodump (Überschüttung der Leser mit Hintergrundinformationen). Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Da der erste Weltkrieg bereits im Klappentext erwähnt wurde, und die Spezialeinheit nach Verdun unterwegs war, hätten die meisten SciFi-LeserInnen geahnt, was da kommt. Zusätzlich werden die Auswirkungen des Stellungskriegs später detailliert gezeigt. Das einzige, was man als Leser evtl. gebraucht hätte wäre die Jahreszahl, und die hätte man an anderer Stelle viel unauffälliger einfließen lassen können.

Stolperstein #2: Wechsel der Erzählperspektive

In mehreren Szenen wird dargestellt, wie die französische Spezialeinheit eine Gruppe deutscher Soldaten eliminiert, die vor dem Grauen in Verdun fliehen will. Dabei springt der Autor von einem Kopf zum nächsten.

Analyse: Ich verstehe das Bedürfnis von Autoren, dem Leser möglichst viele Seiten einer Situation zu zeigen. Das ist legitim und erfordert verschiedene Erzählperspektiven. Damit man als LeserIn aber den Überblick nicht verliert, ist es zwingend notwendig, diese sauber voneinander zu trennen (bevorzugt mit einer Leerzeile oder drei Sternen). Mal einen Satz lang in diesen Kopf zu hüpfen, dann wieder in einen anderen, ist verwirrend. Selbst wenn man sich schnell wieder in den Text findet, ist das vielleicht genau der Stein des Anstoßes, der einen letztendlich dazu bringt, das Buch nicht zu Ende zu lesen.

Stolperstein #3: Fakten, Fakten, Fakten — zu SciFi gehört Recherche!

Zitat: Die Celeste (das Boot der Franzosen) befand sich bereits einige Kilometer weiter stromabwärts, als ein Fuchs von einem Jagdausflug zu seinem Bau zurückkehrte. Er war in schlechter Stimmung, denn die Jagd war nicht besonders glücklich verlaufen. Ein mageres Eichhörnchen war alles, was er erwischt hatte. Jetzt wollte er den kleinen Nüssesammler in seiner Höhle verzehren, doch ein massiges Hindernis lag direkt über seinem Bau und verwehrte ihm den Zugang (einer der getöteten Deutschen).
Der Fuchs stupste es mit seiner Nase an, aber das Ding rührte sich nicht. Er knurrte es an, doch seine Drohungen zeigten keine Wirkung. Also trottete er davon, um andernorts einen neuen Bau zu graben.

Analyse: Erstens hat ein Fuchsbau stets mehrere Eingänge, so dass sich dieser Fuchs kaum wegen eines Hindernisses über seiner Eingangstür einen neuen Bau graben würde, und zweitens sind Füchse Fleischfresser. Dieser ist, laut Aussage des Autors, sehr hungrig und würde sich vermutlich mit großer Begeisterung über den Leichnam hermachen. Was dabei zu bedenken ist, ist dass Füchse sehr feine Nasen haben. Solange der Geruch nach Mensch noch stark ist (ein paar Stunden nach dem Tod), wäre er dem Bau nicht einmal nahe genug getreten, um den Körper beschnüffeln zu können. Er hätte zu viel Angst. Erst wenn der Geruch nach Verwesung den Körpergeruch übertrifft, traut er sich näher.
Das Pech dieses Autors ist, dass ich Forstwissenschaft studiert habe. Das kann er nicht wissen. Er muss aber damit rechnen, dass viele SciFi-LeserInnen sich mit allen möglichen Wissenschaften ziemlich gut auskennen. Daher muss jeder, der in diesem Genre schreibt, alles recherchieren, was mit Physik, Biologie und Chemie zu tun hat.

Kudo #1: ein Prolog der passt

Analyse: Selten ist es, dass ich Prologe ohne Bauchschmerzen lese, aber dieses Mal muss ich sagen, dass er nicht nur für die Geschichte notwendig ist, sondern auch gut geschrieben. Ich konnte mir die Situation gut vorstellen.

2 Comments

    1. Thanks for visiting. I’m happy to see you can understand German. 😉

      I don’t hate prologues just because, and always try to judge them individually. When I write I usually avoid them, but sometimes they are necessary. In my current WIP I am using a 280 words prologue to introduce the villain and one of the main character’s love interests at once. I need this to set the scene for later.

      So I believe in judging each prologue after I read it. I don#t simply skip them.

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