Books & Brown: Die Janus-Affäre – Pip Ballantine, Tee Morris

Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Books & Brown: Die Janus-Affäre - Pip Ballantine, Tee Morris | Spannung ohne Stolpersteine(Dies ist nur ein Vorschaubild. Das richtige Bild folgt, sobald ich aus der Kur zurück bin.)
Heute sehen wir, wie unglaublich wichtig eine korrekte Verortung ist. Wenn sich die Leser nicht orientieren können, fehlt ihnen das Verständnis für die Szene.

Der Anfang der Geschichte: Eine junge Frau flieht vor einer unbekannten Gefahr durch einen Zug, und als sie endlich ein bekanntes Gesicht sieht, wird sie von einem geheimnisvollen Blitz getroffen und verschwindet.

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Stolperstein #1: überflüssige Ellipse

Es wäre kaum ein Sieg, falls sie an Asche und Ruß erstickte …

Analyse: Eine Ellipse ist ein Auslassungszeichen. Es deutet an, dass Buchstaben oder Wörter weggelassen wurden, z.B. weil der Sprecher durch irgendetwas unterbrochen wurde, oder weil ein Zitat verkürzt werden muss. Sie ans Ende eines vollständigen Satzes zu stellen, macht keinen Sinn. Das ist sicher ein Fehler, über den viele LeserInnen nicht stolpern würden, aber mich macht so etwas fuchsig. (Was mich an diesem Satz übrigens gefreut hat, ist die korrekte Anwendung des Konjunktivs. Viele Autoren benutzen die in der Umgangsspache übliche Form mit „würde“. Das geht zwar, ist aber nicht so elegant.)

Stolperstein #2: Verortung in der Szene

Die Fliehende ist kurzerhand auf das Dach des Zuges geklettert, wo es dunkel ist. Sie stellt dann fest, dass sie sich wohl in einem Tunnel befinden muss, worauf folgender Satz folgt: Plötzlich verschwand die Landschaft ringsum, und …

Analyse: Wenn es um die Hauptfigur dunkel ist, woher kommt dann bitte eine Landschaft, die verschwinden kann? Außerdem wurde diese Szene so geschrieben, dass die junge Frau aufs Dach klettert, sich den Ärmel vor den Mund drückt wegen des Rußes und der Asche (übrigens ein sehr gelungenes Bild), und das war’s. Wenig später steigt sie auf der anderen Seite herunter, ohne sich in irgendeiner Weise bewegt zu haben; jedenfalls wurde das nicht erwähnt. Ich musste beim Lesen einmal zurückblättern, um diesen Sprung zu verarbeiten. Stolperstein

Stolperstein #3: Eindeutschung von Städtenamen

… mit den Edinburgher Suffragetten …

Analyse: Gleich vorweg, die Eindeutschung von Städtenamen ist grammatikalisch korrekt und wurde an dieser Stelle auch richtig angewendet. Mich hat es trotzdem aus dem Lesefluss gerissen, weil ich weiß, wie die Schotten Edinburgh aussprechen, nämlich so ähnlich wie Eddin-bürrah (mit gerolltem R). Und da passt das „er“ einfach von der Wortmelodie nicht dahinter. Ich hätte daher „mit den Suffragetten aus Edinburgh“ empfohlen. Ich weiß, dass mir das vielleicht als Korinthenkackerei ausgelegt werden wird, aber ich dokumentiere hier ja die Dinge, über die ich stolpere. Also Stolperstein.

Kudo #1: Steam-Punk Atmosphäre

Analyse: Gut gefallen hat mir die Art und Weise wie die Autoren fast beiläufig das Steampunk-feeling rüberbringen. Das macht Spaß zu lesen. Schade, dass ich so früh gestolpert bin.

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