Autor: Katharina Gerlach

Unterbrechung

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Wie ihr vielleicht gemerkt habt, bin ich in letzter Zeit nicht mehr dazu gekommen, neue Bücher vorzustellen. Das liegt zum einen an mangelndem Lesestoff, zum anderen an der Zeit, die nie reicht. Gegen Jahresende habe ich immer so viel um die Ohren, dass ich vielen einfach nicht mehr schaffe.

Auch ist die Resonanz nach etwas mehr als einem Jahr bloggen nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es scheint, dass sich ausschließlich AutorInnen dafür interessieren, welche Probleme bei Büchern auftauchen können. Ich hatte mir mehr Interesse seitens der LeserInnen erhofft.

Ich werde also die verbleibende Zeit in 2016 überlegen, ob ich diesen Blog weiterführen soll. Denn auch wenn es mir Spaß macht, habe ich genügend andere Dinge, die mich auf Trab halten. Bis dahin wünsche ich allen meinen Blog-LeserInnen alles Gute.

Der Ruf des Turul – Sarah Schäfle

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Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Der Ruf des Turul - Sarah Schäfle | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, dass die Spannung leidet, wenn zu vieles gezeigt wird.

Der Anfang der Geschichte: (Prolog) Eine Unbekannte würde gerne einer anderen Unbekannten (vermutlich der Hauptperson des Romans) helfen, kann aber nicht, weil sie eingesperrt ist.

(1. Kapitel) Die Hauptfigur telefoniert mit ihrer besten Freundin, die ihr die Karten gelegt hat. Sie tut die Merkwürdigkeiten als unwichtig ab. Dann beginnt der Alltag. Und das mehrere Seiten lang.

Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: Wenn das erste Wort ein Name ist, weckt das Erwartungen

Analyse: Wenn als erstes Wort des ersten Kapitels ein Name kommt, gefolgt von einem Gespräch, geht man als Leser davon aus, dass die Hauptperson diesen Namen trägt. Stellt sich dann heraus, dass das falsch ist, muss man sich neu orientieren, wodurch der Lesefluss reißt. Stolperstein.

Stolperstein #2: luftleerer Raum

Analyse: Wenn ein Telefongespräch nicht verortet wird, verliert der Leser schnell das Interesse. Zwar war mir durchaus klar, dass die Hauptperson in ihrem Zimmer telefonierte, aber da es nicht das geringste bisschen Beschreibung gab (die ja die Hauptfigur auch charakterisiert hätte), hing alle irgendwie in der Luft.

Stolperstein #3: Alltag ohne Konflikte ist langweilig

Analyse: Nach einem längeren Gespräch über seltsame Ergebnisse beim Tarot (mit z.T. extrem langen Sätzen, bitte das nächste Mal darauf achten) wird minutiös gezeigt, wie der Alltag der Hauptperson aussieht. Das ist spätestens nach dem Zähneputzen langweilig. Hier hätte man besser kürzen können, um schneller zu den wirklich interessanten Erlebnissen zu kommen. Merke: Was langweilig ist, was alle kennen, sollte der Autor weglassen.

Kudo #1: liebevolle Figurenzeichnung

Analyse: Die Figuren sind schon durch wenige Worte zu eigenständigen Charakteren geworden (trotz der Probleme, die ich anmerken musste). Das ist nicht einfach und verdient Lob. Ich werde noch ein wenig weiterlesen, um zu sehen, ob das Erzähltempo im nächsten Kapitel vielleicht ein wenig anzieht.

Pause — ufff

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Ich möchte mich entschuldigen, dass ich erst jetzt dazu komme, die kurze Sommerferien-Zwangspause anzukündigen. Mit den Kindern im Haus komme ich nicht mehr regelmäßig zum Sport machen bzw. zum Lesen beim Sport machen. Außerdem sind wir einige Male ganz spontan unterwegs gewesen, so dass ich wirklich zu gar nichts gekommen bin, nicht einmal zum Schreiben. Dafür sind die Kinder glücklich und allein das zählt. Ich melde mich schnellstmöglich wieder. Ihr dürft aber gerne weitere Geschichten einreichen.

Anvoutinosum – David Pawn

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Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Anvoutinosum - David Pawn | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, dass kleine Fehlerchen auch ausreichen, ein Buch zu Fall zu bringen. Kommt dann noch ein mögliches Problem ohne Erklärung dazu, wird es kritisch.

Der Anfang der Geschichte: Sophus und seine Liebste machen Urlaub in Irland, wobei sich Sophus an die Ereignisse der letzten Zeit (Band 5) erinnert und sich fragt, warum sein Gedächtnis so eine große Lücke aufweist. Doch dann werden sie urplötzlich zur Heilerstation Drei Annen zurückberufen, denn der beste Diagnostiker (Katenbauer) wurde suspendiert. Ihm droht die Befragung durch das Bundesamt unter Veritasserum, und aus unerklärlichen Gründen macht das Sophus sehr nervös.

Erhältlich bei Amazon.

Anmerkung: Dies ist der sechste Band der Zaubertränke Serie. Eigentlich hätte ich den ersten Band bewerten müssen. Leider hatte ich den aber bereits vor Beginn meines SoS-Konzepts verschlungen. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Band vorstellen soll, aber da ich diese Serie sehr liebe, musste David Pawn jetzt endlich mal dran glauben. Das erste Kapitel ist handlungsarm und mit Rückblenden durchsetzt. Im ersten Band einer Serie wäre dies eine Kanonade von Stolpersteinen. In diesem Fall habe ich das nicht weiter angemerkt, da das Buch eng an die Ereignisse des Vorbandes anknüpft und diese Auffrischung nötig war.

Stolperstein #1: Perspektivwechsel von nur einem Satz

Kurz vor ihrer Abreise hatte Lyra mit Katenbauer gesprochen. Sophus so still und in sich gekehrt zu erleben, beunruhigte sie. Sie berichtete ihm von dem Gespräch.

Analyse: In der ganzen Serie wird der Hauptperson Sophus Schlosser über die Schulter geschaut. Seine Gefühle, Gedanken und Erlebnisse werden erzählt. An dieser Stelle aber erfahren wir plötzlich, wie sich Lyra, seine Freundin, gefühlt hat. Das passt nicht ohne Ergänzungen. Eine einfache Lösung wäre gewesen, wenn Lyra ihre Besorgnis ihm gegenüber ausgedrückt hätte, oder wenn Sophus sie an irgendeinem Gesichtsausdruck erkannt hätte. So hat mich dieser unscheinbare Satz aus dem Tritt gebracht.

Stolperstein #2: falsches Leerzeichen

Analyse: Im ersten Kapitel werden einige Zeilen eines Liedes zitiert (ob es das gibt oder ob es ausgedacht ist, spielt hier keine Rolle). Die fehlenden Zeilen werden (korrekterweise) mit Ellipsen dargestellt. Leider hat es der Autor versäumt, das Leerzeichen nach der Ellipse durch ein fixes Leerzeichen zu ersetzen. Das ist ein Leerzeichen, das den Umbruch zwischen zwei verbundenen Wörtern verhindert. Sinnvoll ist es bei Ellipsen (die sonst plötzlich allein am Ende einer Zeile stehen) und bei Zahlen mit Maßeinheiten (wo es sonst passieren kann, dass die Zahl auf der einen und die Maßeinheit auf der nächsten Zeile steht). Wären die Ellipsen nur einmal allein auf einer Zeile vorgekommen, wäre ich ohne Stolperstein darüber hinweg gegangen. So aber … Da sieht man mal wieder, wie wichtig gerade die Kleinigkeiten sind.

Stolperstein #3: Fragen im Kopf des Lesers

Analyse: Sophus und Lyra eilen von ihrem Urlaubsort über Dublin zurück nach Werningerode. Dazu nutzen sie zunächst Kurzsteckenapparieren. In Dublin steigen sie in die Tube um, die Sophus nicht besonders mag. Kurz vor ihrer Abreise erklärt Lyra aber, sie wolle das Flohnetzwerk in Dublin nutzen, um ihren Vorgesetzten über ihre Reise zu informieren. Das Flohnetzwerk ist eine Art Reisemöglichkeit mit Hilfe verbundener Kamine. Sophus hat es bereits in früheren Bänden erfolgreich genutzt und keine Abneigung gegen diese Art zu reisen. Da stellte sich mir die Frage, warum sie dieses Mal nicht auch per Flohnetz reisen, und ich grübelte darüber nach, ob ich in den vergangenen Bänden dafür eine Begründung gelesen hatte. Ich halte es für wahrscheinlich, hätte mir an dieser Stelle aber eine kurze, auffrischende Erklärung gewünscht. Immerhin bin ich Vielleserin, und da geht mir schon manchmal ein Detail verloren. Auf jeden Fall war ich durch das Grübeln aus dem Lesefluss geraten, somit Stolperstein.

Kudo #1: Unglaublich kreativer Weltenbau

Auch diesen Band der Serie habe ich in einem Rutsch durchgelesen und kann ihn wie die anderen nur jedem ans Herz legen, der gerne Geschichten über Zauberer liest. Alle Bände sind absolut lesenswert.

In der Welt von David Pawn’s Zaubertränke Serie sind die Harry Potter-Bücher Memoiren, die von McGonagal unter Pseudonym veröffentlicht wurden. Nichtmagisch Begabte (Muggel) ahnen allerdings nicht, dass es auch in Deutschland Hexen und Zauberer gibt. Hauptperson der Serie ist Sophus Schlosser, ein ehemaliger Besenbinder (das magische Gegenstück zum KfZ-Mechatroniker) aus Werningerode, der wegen seines Talents Tränke zu brauen als Laborant in der Heilerstation Drei Annen arbeitet. Ich liebe die Verknüpfung der mir bekannten Gegenden (besonders des Harzes und seines Umlandes) mit den skurrilen Abenteuern eines liebenswerten und gelegentlich gedankenlosen Zauberers.

P.S.: Dieses Buch habe ich in gedruckter Form gelesen. Es war interessant zu bemerken, dass es zwischen eBook und gedrucktem Buch bei diesem Test einen Unterschied gibt. Ich werde schneller müde und auch die handschriftlichen Anmerkungen zu den Stolpersteinen am Rand des Buches waren hinterher schwer zu entziffern. 😀

Azur: Wenn eine Diebin liebt –

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Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Azur: Wenn eine Diebin liebt - Sabine Schulter | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, dass man auch auf hohem Niveau noch meckern kann. Allerdings muss ich sagen, dass ich, wäre ich ein Lektor, bei diesem Buch wohl mehr angefordert hätte als die 40 minütige Leseprobe.

Der Anfang der Geschichte: Azur ist eine Diebin, aber keine normale. Sie kann anderen Menschen die Träume stehlen, was bei den Opfern zu Schlafmangelerscheinungen und Gereiztheit führt (etwas, dass ihr Chef für sich auszunutzen weiß). Die gestohlenen Träume werden als Traumperlen an Süchtige verkauft. Obwohl Azur die beste Diebin ist, hasst sie ihren Job. Doch sie hat keine Wahl. Richtig groß werden ihre Probleme aber erst, als sie sich in Cedric verliebt, einen Beschützer, dessen Job es ist, Traumdiebstähle zu verhindern.

Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: Zeitfehler

„Kurz atme ich durch, springe von der Dachkante, auf der ich bereits eine geraume Weile saß, und greife auf der Hälfte meines Falls nach der Querstange einer Straßenlampe.“

Analyse: Die Geschichte ist im Präsens geschrieben, einer Zeitform, die ich nicht mag, auch wenn sie in der Jugendliteratur immer beliebter wird. Doch der Anfang ist spannend genug, so dass ich es kaum merke. Umso mehr stolpere ich natürlich über einen Satz wie den angegebenen. An dieser Stelle muss es heißen „gesessen habe“, ja, auch wenn dadurch eines der so unbeliebten Hilfsverben benutzt werden muss. Grammatik geht in den meisten Fällen vor Stil (Ausnahmen bestätigen nur die Regel und sollten nur von Könnern angewendet werden).

Stolperstein #2: voice

Analyse: Das Buch wird aus zwei verschiedenen Perspektiven (POV) erzählt, der von Jess (Azur) und der von Cedric. Beide POVs sind in der Ich-Form geschrieben. Leider unterschieden sich die beiden „Stimmen“ kaum, so dass ich trotz Angabe des Namens des neuen Erzählers zuerst dachte, ich wäre noch immer in Azurs Kopf. Zwei Ich-Perspektiven sprachlich so voneinander abzusetzen, dass sie unverwechselbar klingen, ist schwer. Wenn man diese Technik (noch) nicht beherrscht, sollte man eine der Perspektiven (in diesem Fall würde ich Cedrics empfehlen) in der 3. Person (Er-Form) schreiben.

Stolperstein #3: Aussetzer eines Charakters

Analyse: Als Cedric Jess das erste Mal als Mensch, nicht als Dieb, begegnet, verliebt er sich sofort. Er betrachtet sie dann sehr genau, als sie davongeht. Dabei fällt ihm auf, wie geschmeidig sie sich bewegt.

Mich hat dabei ehrlich gestört, dass er nicht einmal ansatzweise bemerkt hat, dass er diese geschmeidigen Bewegungen kennt. Er hat sie am Abend vorher kennengelernt, als er Azur an einem Diebstahl hindern wollte. Da er als guter Beobachter eingeführt worden ist, hat mich das sehr gestört. Natürlich muss er Jess nicht sofort mit Azur gleichsetzen, doch ein komische Gefühl der Vertrautheit hätte der Geschichte einen zusätzlichen, und an dieser Stelle dringend benötigten, Konflikt geschenkt.

Kudo #1: traumhaft schönes Titelbild

Analyse: Das Titelbild ist wunderschön und passt hervorragend zu Teil 2 der Trilogie (ebenfalls in Blau).

Die 5 häufigsten wiederkehrenden Probleme

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Mir ist aufgefallen, dass ich immer öfter über die gleichen Probleme stolpere. Daher habe ich gedacht, es wäre doch gut, wenn ich sie mal zusammenstellen würde. Die Zeit dafür habe ich, denn ich habe nur noch ein Buch zu lesen und bei der Hitze keine Lust, Sport zu treiben.

Hier also die Punkte, die bei mir am häufigsten zu Stolpersteinen führen.

1. Prologe
Ich bin nicht per sé gegen Prologe. Besonders in der Fantasy wird ein Prolog oft erwartet. Bei epischer Fantasy sind sie beinahe schon Pflicht. Was sie für mich problematisch macht, ist, dass sie entweder A) bewusst kryptisch verwirrend eine Szene zeigen (meist mit dem Antagonist des Romans), die wenig Zusammenhang zum Anfang der Geschichte hat, oder B) die gesamte Historie der Welt erläutern, in der die Geschichte spielt.

Letzteres (B) ist nicht nötig. Diese Details sollte man besser im Laufe der Geschichte in kleinen Häppchen verteilt einbauen. Ersteres (A) muss man sich genau überlegen, denn der Prolog muss immer mit der Geschichte in einem Zusammenhang stehen. Natürlich ist es legitim, wenn der Zusammenhang erst gegen Ende der Geschichte klar wird (etwas, das ich nicht beurteilen kann, wenn ich nur die Anfänge teste). Aber besser ist ein klarer Zusammenhang zum Beginn der Geschichte.

Und bitte, wenn ihr einen Prolog schreibt, achtet darauf, dass er spannend ist. Nichts überspringt ein/e LeserIn so gerne wie einen langweiligen Prolog.

2. frühe Rückblenden
Immer wieder fügen AutorInnen gleich auf den ersten Seiten Rückblenden ein, um den Hintergrund einer wichtigen Figur zu erklären. Es ist lobenswert und richtig, die wichtigsten Figuren mit einer gut aufgebauten Hintergrundgeschichte zu versorgen, aber die sollte nicht auf den ersten Seiten nahezu komplett ausgewalzt werden. Ich habe es schon mit Rückblenden in den Rückblenden zu tun gehabt, die auf der 3. Seite losgingen. Mit frühen Rückblenden gibt es mehrere Probleme.

Zum einen sind da die von dem/der AutorIn eindeutig ungeplanten Rückblenden, die daraus resultieren, dass ein toller erster Satz gesucht wird [(ausgedachtes) Beispiel: Ich hatte kaum meine Hose angezogen, als die Zellentür aufging und mich ein Wärter in strengem Ton nach draußen befahl. Nach dem Morgenappell, hatte ich mich eine Weile daran erfreut, wie mein Fluchttunnel wuchs. Er war schon lang genug, dass ich das Tropfen der Kanalisation hören konnte …]
Diese Art früher Rückblende ist leicht zu vermeiden, indem man einfach ein paar Minuten früher mit dem Erzählen der Geschichte beginnt [Warum nicht zuerst über den Fluchttunnel sinnieren und dann vom Wärter gerufen werden?].

Zum anderen sind da Rückblenden zum Vorleben der Figuren. Sie starten in der Regel ein Stück weit in die Geschichte hinein, überraschend oft auf Seite drei, weil der/die AutorIn meint, es wäre an der Zeit, den Lesern ein paar Hintergrundinformationen zu geben. Im Prinzip ein richtiges Ansinnen, aber Andeutungen reichen. Auf den ersten Seiten einer Geschichte ist es die Aufgabe der Kreativen, die Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Dafür muss sie auf einem verständlichen Zeitstrahl voranschreiten (ich sag mal nicht chronologisch, obwohl das für die meisten Geschichten der sinnvollste Zeitstrahl ist, aber es gibt ja auch Zeitreisegeschichten, und die will ich nicht diskriminieren). In der Regel ist das ein für die Hauptfigur als chronologisch angesehene Abfolge von Ereignissen. Kommt jetzt eine Rückblende, die 5, 10, 15 oder mehr Jahre zurück springt, kommt der Vorwärtsdrang der Geschichte abrupt zum Stehen. Auf Seite 80 oder 150, wo die Leser bereits wissen, dass das Buch spannend ist und sie es unbedingt zu Ende lesen wollen, ist das kein Problem. Aber am Anfang der Geschichte, wenn noch nicht sicher ist, ob der Schreibstil gefällt oder man die Hauptfigur mag, kann dies das Aus bedeuten (bzw. bei mir den Stolperstein).

Und bitte, wenn ihr an späteren Stellen Rückblenden schreibt, achtet bitte darauf, dass sie in richtigen Szenen dargestellt werden und nicht als narrative Zusammenfassung, sonst habt ihr sofort das nächste Problem:

3. Hilfsverbenflut
Hilfsverben sind Verben wie haben, sein, werden (und in manchen Gegenden: tun). Sie werden meist gebraucht, um aus der erzählten Zeit eine davor gelegene Zeit zu beschreiben [(ausgedachtes) Beispiel: Ich ging die Straße entlang und dachte an Louise. Sie war damals die erste gewesen, die mich geküsst hatte. Ihre langen, blonden Haare hatte ich lange nicht vergessen können…]. Für kurze Rückblenden, die nicht wichtig genug für eine eigene Szene sind, sind sie unumgänglich. Meine Empfehlung: Ist die Rückblende länger als drei Sätze, sollte man das Plusquamperfekt (hatte gehabt) nur für einen einleitenden Satz und am Ende der Rückblende für einen rückführenden Satz verwenden. Den Rest schreibt man in der einfachen Vergangenheitsform (bei Geschichten, die im Präsens erzählt sind, nimmt man das Perfekt (habe gehabt) anstelle des Plusquamperfekt).

Aber Hilfsverben tauchen auch verstärkt auf, wenn AutorInnen nicht lange genug über starke, aussagekräftige Verben nachdenken. „Er hatte Hunger“ ist viel einfacher zu schreiben als „Sein Magen knurrte als kämpfe ein Rudel Wölfe um den letzten Bissen“ und erfordert wesentlich weniger Worte. Dabei ist die zweite Variante eindeutig interessanter. Natürlich passen solche Bilder nicht immer, aber wo sie passen, sollte man sie als AutorIn verwenden. Es stärkt die Geschichte (anstatt: dadurch wird die Geschichte stärker) und vermeidet das nächste Problem:

4. Monotone Sätze
Dieses Problem taucht am häufigsten auf, wenn viele Sätze mit HIlfsverben aufeinander folgen, z.B. bei narrativen Rückblenden (erzählt, nicht gezeigt, siehe Punkt 5). Aber auch an Stellen mit vielen Handlungsschritten kann es zu solchen Sätzen kommen. Wenn der Aufbau der einzelnen Sätze immer das gleiche Muster hat, klingt der Text monoton [(ausgedachtes) Beispiel: Ich ging ins Haus. Meine Katze wartete auf mich. Ich füllte ihren Napf mit Futter und machte das Fernsehen an. Ich sah einen Film…]

Variation der Satzlänge und des Satzbaus beeinflusst die Gefühle der Leser. Kurze, abgehackte Sätze mit vielen Absätzen, machen atemlos, was in Action-Szenen sehr erwünscht ist. Lange, poetische Sätze mit Metaphern und Bildern lassen Leser zur Ruhe kommen und sich auf ein bestimmtes Gefühl oder Bild konzentrieren. Eine Mischung aus beidem treibt die Geschichte voran, ohne zu langweilig oder zu aufgeregt zu sein.

5. Tell (erzählt) anstelle von Show (gezeigt)
Und dies ist oft das größte Problem bei Romanen. Es ist nicht leicht, die richtige Balance zwischen Zeigen und Erzählen zu finden. Natürlich gibt es immer wieder Bereiche, die nicht gezeigt werden müssen. Wenn die Hauptfigur der Szene ein romantisches Abendessen zaubert, reicht es, zu erzählen, dass sie dafür eingekauft hat. Es zu zeigen wäre langweilig, es sei denn der Figur passiert dort etwas, das der Geschichte eine neue Richtung gibt. Andererseits wäre es fatal, das erste Treffen der beiden Hauptfiguren eines Liebesromans zu erzählen. Hier müssen die Gefühle und jeder kleinste Handlungsschritt gezeigt werden. Am besten klappt das, wenn die Handlungen und das, was die Figuren wahrnehmen, durch den Filter ihrer Sinne dargestellt werden. Eine Figur, die das Gegenüber als „graue Maus“ bezeichnet hat eine andere Einstellung als eine Figur, die dieselbe Person als „zurückhaltend elegant“ sieht. Natürlich ist gerade das berühmte Show-don’t-Tell das, was für die meisten AutorInnen am schwierigsten ist. Daher ist es auch das, was mich am schnellsten aus dem Tritt bringt, wenn es nicht stimmt.

Ich hoffe sehr, dass die Zusammenstellung dieser möglichen Fehlerquellen interessant ist. Es würde mich freuen, wenn ihr mir sagt, was euch an Büchern am häufigsten auffällt.

Wunschträume: Seelenreise #1 – Kari Lessir

Published / by Katharina Gerlach / 3 Kommentare zu Wunschträume: Seelenreise #1 – Kari Lessir
Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Wunschträume: Seelenreise #1 - Kari Lessir | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, dass mir selbst ein Text gefallen kann, dessen Anfang kaum erkennbare Fantasy-Elemente hat und der eindeutig esoterisch geprägt ist (übrigens auf eine angenehm unaufdringliche Art ohne abgedreht zu sein).

Der Anfang der Geschichte: Zwei Freundinnen stellen fest, dass sie endlich wieder Männer brauchen, am besten je einen für’s ganze Leben. Doch das hat bisher nicht geklappt. Also schreibt Crissy, die Hauptperson, einen Wunsch in ihr Wunschbuch. Alles, was sie bisher dort hineingeschrieben hat, ist in Erfüllung gegangen, also hofft sie auch dieses Mal. Zunächst klappt es nicht, doch als sie den Wunsch ein wenig präzisiert, taucht sofort ihr Traummann auf. Nur, dass er anders ist, als sie ihn haben wollte.

Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: Klischees

Analyse: Das erste Klischee, das auftaucht, ist Mia, Crissys pummelige Freundin, die mal wieder auf Diät ist. Da habe ich ein wenig mit den Zähnen geknirscht, es aber durchgehen lassen, weil sich Mia im Verlauf des Anfangs als Persönlichkeit profiliert. Aber dann sprachen Mia und Crissy über Crissys ehemalige Lover. Und da wurde Klischee auf Klischee gehäuft (). Das gab dann doch einen Stolperstein, denn das war mir zu viel des Platten. Da hätte die Autorin auch bessere Beispiele finden können.

Kudo #1: Titelbild

Analyse: Das Titelbild ist einmalig schön und passt sehr gut zur Geschichte (soweit ich sie bisher gelesen habe).

Kudo #1: Esoterik

Analyse: Wer sich auf dieses Buch einlässt, sollte für ein wenig Esoterik offen sein, die ich aber bisher nicht als störend sondern als bereichernd empfand. Es kommt halt wie bei allen Themen darauf an, wie man sie verpackt. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen Liebesgeschichte und seelischem Wachstum, ohne dass ich dabei den Spaß verliere. Das nenne ich gelungen.

Duocarns – Pat McCraw

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Duocarns - Pat McCraw | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir dass sich die Gefühlslage der Protagonisten nur zu leicht auf die Leser überträgt, wenn man als Autorin nicht auf Konflikt und Spannungsbogen achtet.

Der Anfang der Geschichte: ein paar seltsam aussehende Sternenkrieger sind auf Patrouille und langweilen sich, weil es derzeit keinen Angriff von den Bösewichten der Geschichte gibt. Der Anführer der Kämpfer freut sich auf einen Kampf, weil dann doch ein anderes Raumschiff auftaucht. Gleichzeitig versucht eine junge Frau einem Besoffenen eine Moralpredigt zu halten.

 
Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: Langeweile

Analyse: Den Duocarns, einer Gruppe Weltraumkrieger unterschiedlicher Spezies, ist langweilig. Während ihr Anführer ihre Langeweile beobachtet, konnte die Autorin eine ausgiebige Beschreibung der Charaktere geben, die ich aber sofort wieder vergaß. Denn die Beschreibungen waren langweilig; es wurden keine Bilder in meinem Kopf geweckt mit deren Hilfe ich mir die Krieger hätte vorstellen können. Dazu kam, dass zu viele Personen auf einen Schlag beschrieben und mit schwer zu merkenden Namen vorgestellt wurden. Das einzige, was hängengeblieben ist, ist die Tatsache, das einer von denen seine Haut abziehen und wieder ankleben kann (was ich ehrlich gesagt ziemlich ekelig finde).

Stolperstein #2: sofortige Identifikation eines Raumschiffes

Analyse: Der Anführer der Duocarn entdeckt ein Raumschiff und alarmiert die Crew. Sofort wissen alle, dass es sich um ein Raumschiff der Bösen handelt. Im Prinzip nicht verkehrt, wenn außer ihnen niemand sonst in jenem Sonnensystem zu erwarten war. Leider hat die Autorin vergessen, das zu erwähnen, wodurch ich mich fragte, warum die Krieger nicht erst einen Scan oder sonst eine Form der Identifizierung durchführten, denn laut Beschreibung der Autorin ist das fremde Raumschiff kaum mehr als ein Schatten auf dem Monitor.

Stolperstein #3: ein absolut vollgedröhnter Junkie, geht mal eben aufräumen

Analyse: Also, ich weiß ja nicht allzu viel über Drogen, aber es reicht, um zu wissen, dass jemand im Vollrausch nicht in der Lage sein dürfte, zu laufen – geschweige denn sein Fixerbesteck von einem Kinderspielplatz wegzuräumen.

Alles in allem ein enttäuschender Buchanfang und eines der wenigen eBooks, die ich zurückgegeben habe.

Seance – Julia Mayer

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Achtung: Dies ist ein Härtetest, der nicht mit einer Rezension verwechselt werden darf. Für eine Rezension lese ich den ganzen Text, bevor ich ihn beurteile. Der SoS-Test entspricht im Prinzip dem, was der Lektor eines Verlages tut, dessen Hauptaufgabe das Aussortieren von Manuskripten ist.

Seance - Julia Mayer | Spannung ohne StolpersteineHeute sehen wir, dass Infodumps und zu frühe Rückblenden den Lesefluß selbst dann ausbremsen, wenn sie voller interessanter Ideen stecken.

Der Anfang der Geschichte: Ein junger Mann, der sich von seiner Mago-Familie (alles Magier, Eltern eingeschlossen sind es 14 Frauen und 1 Mann) losgesagt hat und zu den Menschen gezogen ist, erhält eine Einladung zur Beerdigung seiner Großmutter, der er folgen muss, wenn er in Frieden weiterleben will. Also stellt er sich seiner furchtbaren Familie in DresdenX, einer Stadt unter der Stadt.

Erhältlich bei Amazon.

Stolperstein #1: Infodumps und Rückblenden

Analyse: Ich wurde in wenig mehr als einer Viertelstunde von vier langen Infodumps und mehreren Rückblenden ausgebremst, das war mir dann doch zu viel, so dass ich für alle gemeinsam einen Stolperstein vergebe.

Dabei waren die Ideen in den Infodumps eigentlich sehr interessant und gut durchdacht. Leider lasen sie sich wie Charakterstudien, die man zur Vorbereitung eines Romans schreibt. Mir hätte es besser gefallen, wenn die darin enthaltenen Informationen breiter durch den Roman gestreut worden wären.

Den Konflikt zwischen Alexej und seiner Mutter erlebt man besser direkt. Die Umwege seines Lebens in der Menschenwelt wären in einem Gespräch mit der Schwester seines Freundes gut aufgehoben gewesen. So geriet ich immer wieder ins Stocken, wenn die Handlung – schon wieder – durch eine Rückblende oder einen Block an Hintergrundinformationen unterbrochen wurde.

Stolperstein #2: Fehler in der Erzählzeit

Analyse: Der Roman ist durchgehend in der dritten Person Gegenwart geschrieben. Für mich war es daher sehr schwer, mich richtig in den Lesefluss hineinzufinden. Ich bevorzuge die Vergangenheit, denn das ist in den meisten Romanen die bevorzugte Zeitform. Sie wird beim Lesen, bedingt durch die Lesekultur mit der wir aufwachsen, vom Gehirn ausgeblendet, so dass die Geschichte in den Vordergrund treten kann. Da das aber ein Stilmittel der Autorin ist, ist es kein Stolperstein, nur eine ständige Erinnerung daran, dass die Geschichte aus Wörtern bestehlt. Gestolpert bin ich erst, als plötzlich ein Satz in der mir gewohnten Form stand:
„Aber der Seligsprechung war sie durch Alexejs Geburt beraubt worden.“
Genau hier hätte es „ist … beraubt worden“ heißen müssen. Durch die ungewöhnliche Zeitform bereits irritiert, fiel mir dieses Fehlerchen besonders auf. Wäre es ein Präsens in einem Roman, der ansonsten in der Vergangenheitsform geschrieben ist, wäre ich vermutlich nicht gestolpert.

Merke: Wenn man sich eine ungewöhnliche Zeitform für das Erzählen einer Geschichte aussucht, nimmt man in Kauf, dass LeserInnen schneller über Fehler stolpern, die sonst untergegangen wären.

Stolperstein #3: Fehler in der Recherche

Alexey reist nach Dresden. Er kommt um Mitternacht an und begibt sich dann zum Zwinger. „Alexej betritt ihn durch das Kronentor …“

Analyse: Eine einfache Suche in Internet ergibt, dass das Außengelände des Zwingers frei zugänglich ist. Der Zwingerhof aber, den man z.B. durch das Kronentor betreten kann, ist des Nachts verschlossen (was ich vor einigen Jahren übrigens am eigenen Leib erfahren musste, als ich mit einer Freundin um 8 Uhr abends dort ankam). Ja, auch in fiktiven Geschichten ist Recherche unumgänglich. Hätte die Autorin dies gewusst, hätte sie das Problem mit einer kurzen Anwendung von Magie aus dem Weg schaffen können.

Kudo #1: Interessante Idee, tolle Stimmung

Analyse: Die Idee einer magischen Welt unter der unseren ist nicht neu. Der Autorin gelingt es aber, die düstere Stimmung in DresdenX so einzufangen, dass man sich bald genauso bedrückt fühlt, wie die Hauptfigur. Mit etwas mehr Konflikt in den einzelnen Szenen und einer besseren Verteilung der Hintergrundinformationen, hätte ich die Geschichte sicherlich sofort zuende gelesen. So hebe ich sie mir für die Sommerferien auf, wenn mir sicherlich wieder einmal der Lesestoff ausgeht.